
Im Jahr 1886 gründete Maurermeister Paul Stolte südlich des Elbe-Havel-Kanals, im Genthiner Werder, die Zementfabrik Paul Stolte AG. Der markante rote Klinkerbau im Stil des Historismus entstand um 1900 – ein imposantes Industriegebäude, das bis heute das Stadtbild von Genthin prägt.
1904 wurde der charakteristische Treppen- und Aufzugsturm ergänzt. Das Gebäude weist große Ähnlichkeiten mit dem Lumpenhaus der Papierfabrik Hohenofen und der Ofenfabrik in Velten auf. Die Zementbaugesellschaft verlagerte später ihren Sitz nach Parey.
Roter Klinkerbau um 1900 im charakteristischen Stil der Industriearchitektur
Markante Ergänzung aus dem Jahr 1904, prägt das Stadtbild
Strategische Position am Elbe-Havel-Kanal im Genthiner Werder
Nach dem Wegzug der Zementfabrik folgten verschiedene Unternehmen, die das große Areal am Kanal nutzten. Das Gelände bot Raum für mehrere Betriebe gleichzeitig und entwickelte sich zu einem vielseitigen Industriestandort.
Genthiner Metallwerke GmbH übernimmt das Gelände
Genthiner Farbwerke GmbH zieht ein (bis 1936)
Genthiner Kartonpapierfabrik GmbH zeitweise ansässig
1929 übernahm die Hanfspinnerei Mahndorf AG die Immobilie. Das Unternehmen war am 12. April 1923 in Bremen-Mahndorf von der J.H. Findeisen AG für die Fabrikation von Seilerwaren und Tauwerk gegründet worden.
Es gehörte zur Hanfspinnerei Baumhüter GmbH in Batenhorst bei Wiedenbrück (Westfalen) und firmierte dann als Hanfspinnerei Baumhüter AG, Genthin. Die Genthiner gaben dem Gebäude den Namen „Hanfspinnerei" – einige bezeichneten es scherzhaft auch als „Strippenbude".
„Die Fabrik stellte im Dreischichtsystem Erntebindegarn aus sogenanntem Sisal-Hanf her sowie Hanfgarn für Seilereien und andere Betriebe – vermutlich mit importierten Rohstoffen. Hanf aus der Region wurde kaum verarbeitet."
Nach dem Krieg übernahm 1951 die VVB Bastfaser Leipzig treuhänderisch den Betrieb. Ab dem 1. April 1953 wurde er an den VEB Feinjute- und Hanfspinnerei Brandenburg verpachtet. In den 1970er Jahren wurde der Betrieb Teil des VEB Textile Verpackungsmittel Weida, Werk Brandenburg.
Beschäftigte im Drei-Schicht-Betrieb zwischen 1953 und 1990
Jährliche Produktion von Erntebindegarn aus Spinnpapier (1949–1951)
Produktion für VEB Kabelwerk Berlin-Köpenick ab 1959
Wegen des Mangels an Faserrohstoffen nach dem Weltkrieg stellte die Hanfspinnerei von 1949 bis 1951 sogar Erntebindegarn aus Spinnpapier her – eine bemerkenswerte Anpassungsleistung.
Die Seilergarne gingen an Seilereien, Genossenschaften und private Abnehmer – für den Export, die Hochseefischerei und Bergwerksbetriebe.

Mit der Stilllegung 1990 endete die industrielle Hanfverarbeitung in Genthin. Das Betriebsgelände wurde dem Alteigentümer rückübertragen – ein Schicksal, das viele ostdeutsche Industriebetriebe nach der Wende teilten.
Anschließend zog vorübergehend die Genthiner Fensterwerke GmbH ein, die 2002 in das Gewerbegebiet Nord umzog. Die historischen Mauern warteten auf eine neue, dauerhafte Bestimmung.
Ende der Hanfproduktion
An Alteigentümer
Vorübergehende Nutzung
Suche nach Investor
1995 kaufte die neu gegründete TCS TürControlSysteme GmbH (heute TCS AG) die Immobilie, sanierte den denkmalgeschützten Altbau in der Geschwister-Scholl-Straße 7 aufwändig und nutzt ihn seit 1999 als Hauptsitz und Produktionsstätte.
Gründer Otto Duffner und der bereits verstorbene Joachim Frank starteten mit nur zwei Mitarbeitern. Heute ist TCS einer der führenden Spezialisten für Tür- und Gebäudekommunikation.
In Genthin beschäftigt
Globale Präsenz
TCS erwirbt das historische Gebäude
Denkmalgerechte Restaurierung des Altbaus
Start der Produktion in Genthin
Start der Produktion in Genthin
Von 2 auf 300 Mitarbeiter weltweit
2014 wurde der Grundstein für einen 3,5-Millionen-Euro-Erweiterungsbau gelegt, bei dem der denkmalgeschützten Hanfspinnerei als Herzstück vier architektonisch anspruchsvolle Gebäude hinzugefügt wurden.
Die historische Hanfspinnerei bleibt das Herzstück des Ensembles und wurde behutsam in das moderne Gesamtkonzept integriert.
Architektonisch anspruchsvolle Neubauten ergänzen den historischen Kern und schaffen zusätzliche Produktions- und Büroflächen.
Zwischen Elbe-Havel-Kanal und Wasserturm entstand eine Residenz mit einzigartigem industriellem Charme.
Gründung der Zementfabrik Paul Stolte AG
Bau des roten Klinkergebäudes im Historismus-Stil
Ergänzung des charakteristischen Treppen- und Aufzugsturms
Genthiner Metallwerke ziehen ein
Hanfspinnerei Mahndorf AG übernimmt das Gebäude
Kriegsende, Beginn der Verstaatlichung
Verpachtung an VEB Feinjute- und Hanfspinnerei Brandenburg
Stilllegung nach der Wende
TCS kauft die Immobilie
TCS bezieht den sanierten Altbau
Grundsteinlegung für 3,5-Millionen-Euro-Erweiterungsbau
Die historische Hanfspinnerei zwischen Elbe-Havel-Kanal und Wasserturm ist heute eine Residenz mit Charakter – ein echtes Wirtschaftswunder aus Genthin. Von der Zementfabrik über die Hanfverarbeitung bis zum modernen Technologieunternehmen spiegelt das Gebäude über 130 Jahre deutsche Industriegeschichte wider.
Behutsame Sanierung des historischen Klinkergebäudes unter Wahrung des industriellen Erbes
Modernste Technologie für Tür- und Gebäudekommunikation am traditionsreichen Standort
Von 2 Mitarbeitern zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit 340 Beschäftigten
Kontinuierliche Investitionen in den Standort Genthin und die Region Sachsen-Anhalt
„Die Hanfspinnerei ist mehr als ein Gebäude – sie ist ein Symbol für die Wandlungsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Industrie. Vom Zement über Hanf bis zur digitalen Gebäudetechnik: Hier wurde immer produziert, entwickelt und in die Zukunft investiert."
Die Geschichte der Hanfspinnerei zeigt eindrucksvoll, wie historische Bausubstanz und moderne Unternehmenskultur eine erfolgreiche Symbiose eingehen können. Das markante rote Klinkergebäude an der Geschwister-Scholl-Straße ist heute nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen Genthins, sondern auch ein lebendiges Zentrum wirtschaftlicher Innovation.
Über 130 Jahre Industriegeschichte an der Geschwister-Scholl-Straße